Guppy-Zucht

von Hans Luckmann

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Doppelschwert albino blond rot

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EINLEITUNG:

Gehen wir auf eine Guppyausstellung, können wir dort, natürlich neben weniger guten, in der Regel sehr gute bis ausgezeichnete Guppys sehen. Viele Betrachter werden dann feststellen müssen, dass ihre eigenen Guppys nicht so gut sind und sich fragen, woran das liegt. Und im Unterbewusstsein weiß jeder, dass es fast immer an ihn selbst als Züchter liegt.

Dass wir unsere Guppys optimal hältern, sie abwechslungsreich fütter'n und genügend Wasserwechsel machen, ist ja wohl selbstverständlich. So selbstverständlich, dass sich hier damit nicht befasst wird. Wer seinen Guppys diese Voraussetzungen nicht verschafft, dem ist nicht zu helfen.

Die zweite Voraussetzung für eine erfolgreiche Guppy-Zucht ist das Zuchtmaterial, mit dem wir beginnen. Und die dritte Voraussetzung ist, wie wir mit diesem Zuchtmaterial arbeiten.

Dazu etwas Grundsätzliches vorweg. Vermeiden Sie, im Zoohandel gekaufte Tiere zur Zucht zu verwenden. Die Tiere sind oft in keinem guten Zustand, man bekommt nur Guppys, die zwar Triangel sein sollen, aber meilenweit vom Standard entfernt sind. Andere Standards erhält man nicht. Genaues ist über die Herkunft selten bekannt. Weibchen, sofern man welche erhält, sind in der Regel mit den Männchen nicht verwandt. Das macht die Zucht mit Zoohandelstieren noch schwieriger, als sie sowieso schon ist.

Aber wo bekommt man seine Zuchttiere dann her? In der Regel vom Hobby-Züchter. Die Tiere, die man dort erhält, sind alle mal geeigneter als die im Handel. Hier erhält man auch die passenden Weibchen. Und vor allen Dingen auch die Standards und Grundfarben, die im Zoohandel nicht erhältlich sind.

Guppy-Zucht ist sehr arbeitsaufwendig. Geld ist mit ihr kaum zu verdienen. So sind im Laufe der Jahre nur die wirklichen Liebhaber dem Guppy treu geblieben. Will man an diesen Kreis herankommen, bleibt nur die Mitgliedschaft in einer der bei den Züchtervereinigungen in Deutschland, denn viele, gerade der guten, Züchter geben von ihren knappen Guppys nur an Vereinsfreunde ab. Als Mitglied in einer solchen Spezialvereinigung bekommen Sie auch das Spezialwissen für die Guppy-Zucht durch den Kontakt mit den anderen Mitgliedern. Nach unseren Erfahrungen ist dies in einem normalen Aquarien-Verein nicht möglich. Das zeigen die Erfahrungen ganz klar.

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DAS ZUCHTZIEL

Wenn es Ihnen gelungen ist, von einem Züchter Tiere zum Beginn Ihrer Zucht zu bekommen, wie gehen Sie nun vor?

In der Regel werden es Guppys sein, die Ihrer gewünschten Zuchtrichtung entsprechen. Die gilt es nun zu verbessern und zu erhalten. Zum Beispiel: Die Triangelschwanzflosse ist Ihnen nicht breit genug, die Männchen sind zwar rot, aber längst nicht intensiv genug. Oder Sie möchten ein Muster besser herauszüchten, oder die Rückenflosse ist nicht lang genug usw.

Sie wissen, was sie haben. Nun sollten Sie festlegen, was Sie haben wollen, mit anderen Worten, Sie müssen ein Zuchtziel aufstellen, Ihr Zuchtziel!

Als Anfänger sollten Sie das schriftlich tun. Bei einer schriftlichen Fixierung werden Sie schnell feststellen, auf was sie alles achten müssen. Eine solche schriftliche Festlegung ist auch erfahrenen Züchtern anzuraten.

Als Beispiel, wie ein solches Zuchtziel aussehen könnte, bringe ich hier mein früheres Zuchtziel, das ich 1974 aufgestellt habe und bis zur damaligen Aufgabe meiner Zucht 1985/86 durchgehalten habe: Zuchtziel ist ein vitaler, formschöner und ausreichend großer Guppy mit exaktem Triangel und breiter Rückenflosse bis in das erste Drittel der Schwanzflosse. Die breite Schwanzflosse soll gut getragen sein, der Hinterkörper durch das Gewicht der Flosse nicht herunterhängen.

Die Körperfarbe ist kräftig und leuchtend rot bis zu den Augen, die Brustflossen sollen gefärbt sein, ebenso das Gonopodium. Die Schwanzflosse ist leuchtend rot und voll ausgefärbt, die Rückenflosse weiß und rot.

Um es gleich vorwegzunehmen: Trotz aller Erfolge mit meinem Stamm bis hin zu mehrfachen Ausstellungssiegen ist es mir nie gelungen, mein Zuchtziel in allen Punkten zu erreichen. Sie sehen, Sie werden mit Ihrem Stamm nie fertig, Sie müssen immer an ihm arbeiten.

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WIR FANGEN AN

Unsere erhaltenen Anfangstiere setzen wir jetzt zur Zucht an, denn vor der Zucht steht die Vermehrung.

In welchem Alter sollen wir die Zuchttiere zusammensetzen?
Für ideal halte ich das Alter
- bei Großflossern von 5 Monaten
- bei den anderen Standards ab 6 Monaten

Natürlich kann man die Tiere schon eher zusammensetzen, ich rate es aber nicht. Wenn man es tut, sollte es nur aus bestimmten züchterischen Anforderungen sein, z.B. möchte man die Nachzucht noch einmal an eines der Elterntiere zurück kreuzen.

Der wichtigste Grund, warum man Geduld haben sollte, ist der Umstand, dass man bei ausgewachsenen Tieren besser selektieren kann im Sinne des Zuchtzieles, weil die Guppys einfach besser entwickelt sind. Allen Anfängern, die sich noch nie mit Guppy-Zucht beschäftigt haben, sei geraten, kein kompliziertes Zuchtziel zu wählen. Erst gilt es, Erfahrungen zu sammeln. Bei einem schwierigem Zuchtziel treten eher Misserfolge auf als bei einem weniger schwierigem. Gerade Anfänger entmutigt das.

Da aber Guppy-Züchter sowieso Geduld aufbringen müssen und Anfänger besonders, sind für den Anfang übertriebene Zuchtziele zu vermeiden.

Deshalb noch einmal:
- Für Anfänger ein einfaches Zuchtziel

z.B. Deckfarbe rot, filigran
Grundfarbe grau, blond
kräftige Farben, keine Pastellfarben
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WIE LANGE DAUERT ES BIS DIE ERSTEN JUNGEN KOMMEN?

Allgemein heißt es, nach 4 Wochen kommen die Jungen. Zumindest beim Erstwurf eines Weibchens stimmt das so nicht. Aus Untersuchungen weiß man heute, dass das Intervall zwischen den Zusammensetzen von Männchen und jungfräulichen Weibchen recht unterschiedlich ist.

Tabelle 1 zeigt die weite Spanne der Intervalle. Bei der Untersuchung Rosenthal (40 Weibchen) lag der Durchschnitt bei 34,33 Tagen, bei der Untersuchung Luckmann (344 Weibchen) bei 36,65 Tagen. Die ersten beiden Weibchen warfen nach 2o Tagen (weniger als 3 Wochen), einzelne Weibchen erst nach 8 Wochen.



Tabelle 1b Tabelle 2 zeigt, dass das Intervall mit zunehmendem Alter der Weibchen länger wird, die Zahl der Jungen des Erstwurfes steigt.

Tabelle 2b

Wie viele Junge pro Weibchen können Sie beim Erstwurf erwarten? Da hört man die unterschiedlichsten Zahlen, von wenigen bis über hundert. Das dürfte abhängig sein vom Alter und der Größe des Weibchens, vom Inzuchtgrad, den spezifischen Eigenarten des Stammes und anderem mehr. Ich registriere hohe Wurfzahlen immer mit einiger Skepsis. Über 11 Jahre habe ich die Erstwürfe von 329 Guppy-Weibchen gezählt und kam dabei auf einen Schnitt von 24,33 Jungen bei Erstwürfen. Mein Stamm ist in diesen Jahren immer in enger Verwandtschaftszucht gezogen worden, der Inzuchtgrad war also entsprechend. Ich bestreite nicht, das andere Züchter höhere Zahlen erzielen, aber alle schätzen die Zahl, gezählt wird selten. Bei Schätzungen hat man sich aber schnell vertan.(Tabelle 3)


Tabelle 3b

Guppy-Weibchen sind unterschiedlich kannibalisch. Es gibt Weibchen, die beachten ihre neugeborenen Jungen überhaupt nicht. Es gibt aber immer noch Weibchen, die intensiv ihren Jungen nachstellen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das zu verhindern. Einmal können wir die Weibchen zum Ablaichen in den Becken lassen und versuchen, die Jungen durch reichlich Pflanzen, in denen sie sich verstecken können, zu schützen. Der Nachteil ist, das wir nicht die Übersicht haben, wie viele Junge es sind, wie viele gefressen werden und wie sie sich entwickeln. Außerdem müssen wir warten, bis das letzte Weibchen abgelaicht hat.

Am meisten stört mich dabei, das die Jungen zu weit stehen und eine konzentrierte Fütterung, die gerade in den ersten Lebenswochen wichtig ist, schwieriger ist.

Diese intensive Fütterung ist aber nötig, weil das Wachstum in den ersten 4 Wochen beim Guppy wöchentlich 100 % bis 150 % betragen sollte. Versäumnisse hier können später kaum wieder aufgeholt werden.

Ich persönlich ziehe das Ablaichen in Laichkästen vor, obwohl ich weiß, dass auch das umstritten ist. Der Laichkasten hat aber den Vorteil, dass die Jungen vor den Nachstellungen der Mutter relativ sicher sind. Außerdem kann man die Jungen ohne Probleme in ein anderes Becken umsetzen, auch kann man sie zur Not problemlos zählen. Ohne Laichkästen hätte ich meine langjährigen Versuche mit Weibchen nicht durchführen können.

Ich setze meine Jungen in ein Mehrliterbecken. Dazu ziehe ich den Laichkasten einfach aus dein Becken, in dem er hängt und tauche ihn in dieses Mehrliterbecken ein, das selbst wiederum in einem größeren Becken hängt. Kein mühsames Herausfangen, das ganze ist in 30 Sekunden passiert.

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WICHTIG! DAS RECHTZEITIGE TRENNEN DER GESCHLECHTER

In diesen Mehrliterbecken verbringen die Jungen die nächsten Wochen, bis sie nach Geschlechtern getrennt werden können. Das Wasser in diesem Becken wird täglich gewechselt, was für das Wachstum der Jungen äußerst vorteilhaft ist. Dazu stehen sie sehr dicht und können somit auch intensiv gefüttert werden. Dazu spart diese Methode Becken, für Besitzer kleinerer Anlagen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Die Jungen wachsen bei bester Fütterung (nach Möglichkeit nicht weniger als zweimal am Tag) kräftig heran und langsam können wir die Geschlechter erkennen.

Nach ca. 4 - 5 Wochen sollten wir beginnen, Männchen und Weibchen zu trennen. Hier beobachte ich immer große Nachlässigkeit. Wir können unser Zuchtprogramm und unsere scharfe Zuchtauslese aber nur mit jungfräulichen Weibchen durch führen.

Je nach Grundfarbe können wir unterschiedlich früh den Trächtigkeitsfleck der Weibchen erkennen. Je heller die Grundfarbe, desto schwerer und später ist er zu erkennen. Besonders bei Albino-Weibchen ist dies der Fall, aber auch bei goldenen, blonden und weißen. Auch die Ausfärbung der Männchen ist bei diesen hellen Grundfarben erst später zu erkennen.

In der Regel werden wir die Weibchen von den Männchen trennen, wenn wir den Trächtigkeitsfleck erkennen können. Ist das aus den vorher genannten Gründen erschwert, müssen wir bei den Männchen auf die Ausbildung des Gonopodiums achten. Spätestens vor der vollen Ausbildung des Gonopodiums muss die Trennung der Geschlechter erfolgen.

Jeder kann sich ausmalen, wie unmöglich es ist, das alles in einem dicht bepflanzten Becken sicherzustellen. Deshalb meine Empfehlung, die Jungen bis zur Geschlechtertrennung in kleinen Mehrliterbecken zu halten.

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WEITERE AUFZUCHT UND AUSSUCHEN UNSERER ERSTEN EIGENEN ZUCHTTIERE

  1. Aussuchen der Männchen
  2. Aussuchen der Weibchen
  3. Wie gehen wir beim Aussuchen der Zuchttier vor?

1. Aussuchen der Männchen

Die getrennten und nun separat aufwachsenden Männchen und Weibchen werden weiter gut gefüttert und laufend intensiv beobachtet. Tiere, die zurückbleiben, krumm werden oder sonst keine Entwicklung im Sinne unsere Zuchtzieles zeigen, werden konsequent entfernt, um mehr Raum für die übrigen zu schaffen.

Hier aus Bequemlichkeit oder anderen Gründen nachlässig zu sein, zahlt sich nicht aus.

Nach fünf oder sechs Monaten oder auch später, je nach Standard, Wachstum der Nachzucht, suchen wir unsere ersten eigenen Zuchttiere für die nächste Generation aus. Und das ist nun wirklich ein Kapitel für sich.

Ich komme manchmal aus dem Staunen nicht heraus, wie von manchen Züchtern die Tiere zur Zucht ausgesucht werden.

Da wird mit dem Casher einmal durchs Becken gezogen und was dann drin ist, wird zur Zucht genommen. Oder man trennt die Geschlechter gar nicht, lässt Männchen und Weibchen fröhlich zusammen und vertraut darauf, dass die Männchen schon fleißig sein werden. Das stimmt zwar, nur sind die falschen Männchen (im Sinne unseres Zuchtzieles) dabei immer am fleißigsten. Und es gibt noch andere dubiose Methoden, Guppys zu vermehren. Solche Methoden funktionieren bei keiner Tierart, erst recht nicht beim Guppy. Wer mit ihm Erfolg haben will, muss eine peinlichst genaue Selektion betreiben, um das Zuchtziel zu erreichen.

Nach welchen Kriterien suchen wir nun unsere Zuchttiere aus?
Der Bewertungsstandard IHS (Inter-Hochzuchtstandard) nimmt die Einteilung nach der Schwanzflosse vor. Dort werden die Punkte wie folgt vergeben:

Schwanzflosse 44 Punkte
Körper 28 Punkte
Rückenflosse23 Punkte
Vitalität 5 Punkte
Gesamt 100 Punkte

Die Schwanzflosse wird dort mit fast der Hälfte der zu vergebenden Punkte bedacht. Und trotzdem rate ich dringend davon ab, die Schwanzflosse bei der Auswahl der Zuchttiere als das wichtigste Merkmal anzusehen. Wer das tut, wird Rückschläge erleben.

Die Reihenfolge der zu beachtenden Kriterien bei der Auswahl von Zuchtmännchen muss unbedingt sein:

1. Vitalität
2. Körper - Größe und Form
3. Schwanzflosse - Form und Länge
4. Rückenflosse - Form und Länge
5. Farbe - Körper
- Schwanzflosse
- Rückenflosse

Im Laufe der Zeit müssen Sie noch auf weitere, äußerlich nicht sichtbare Merkmale achten, wie
- Langlebigkeit
- Schnellwüchsigkeit
- vor allen Dingen aber Fruchtbarkeit.

Mancher Züchter wird an dieser Reihenfolge Kritik üben. Ich rate aber trotzdem allen Anfängern, diese Reihenfolge einzuhalten. Eine Bevorzugung der Farbe vor der Form wird Sie in ihrem Zuchtziel zurückwerfen.

Wenn es erforderlich ist, können wir die Positionen 3, 4 oder 5 tauschen. Zum Beispiel müssen wir unsere Rückenflossenform verbessern und haben ein Männchen dabei, dass die von uns gewünschte Form besitzt. Dann sollten wir die Schwanzflosse und die Farbe nachrangig einordnen, niemals aber die Vitalität und die Körperform und die Körpergröße. Diese Kriterien stehen immer oben an.

Folgende Fehler schließen Tiere von der Zucht unbedingt aus: