Tatia perugiae


Tatia perugiae (Zwergtrugdornwels) gelungene Zucht


Text: Livia Lettau (Mit freundlicher Genemigung aus Flossenpost 2/2008)

Das erste Mal sah ich ihn auf einer Börse, in einem kleinen Becken. Die Tiere waren sehr unscheinbar weil sie sich nur unter eine Wurzel klemmten. Ich fand sie sehr interessant, mit ihren kleinen süßen Knopfaugen und dem freundlichen Gesichtsausdruck. Aber ich war am zögern und wollte noch eine Runde rumschauen und es mir überlegen. Wie es dann ja meistens kommt, waren natürlich dann schon alle kleinen Welse weg. Ich habe mich erst mal damit abgefunden, was sollte ich auch anderes tun.


Also suchte ich auf anderen Börsen danach und schaute in Aquarienläden ein bisschen, aber ich fand die Kleinen nirgendwo. Als ich dann schon fast nicht mehr daran gedacht habe, hat Frank sie aus der Züchterei mitgebracht. Also nahm ich mir gleich eine kleine Gruppe mit nach Hause und packte sie in ein 60 cm (60x30x30cm) Becken. Dann machte ich mich erst mal über die kleinen Nachtschwärmer schlau. Ich hatte nicht sehr viel gefunden, aber immerhin fand ich auch einen schönen Zuchtbericht. Also baute ich das Becken um mit mehreren Höhlen, das alle Tiere sich am Tage verstecken konnten und ein paar Pflanzen. Als Futter bekommen sie von mir alles Mögliche von Lebendfutter, Frostfutter bis Granulat und Futtertabletten (hauptsächlich fleischlich). Man sieht sie am Tage nicht sehr viel, aber wenn sie Futter bekommen, dann flitzen sie durchs ganze Becken, ein lustiges Gewusel. Daher kommt auch einer seiner Namen „Wasserhubschrauber“.


Wenn man die kleinen nachtaktiven Tiere am Tag mehr zu Gesicht bekommen möchte, kann man das Becken vorteilhaft einrichten, z. B. die Eingänge der Höhlen nach vorne richten und Steinaufbauten so hinstellen, dass man hinein schauen kann. Man sollte ihnen immer genügend Schlafplätze bieten, damit keine Streitereien entstehen. Der Tatia ist sehr tolerant gegenüber Schwankungen der Wasserwerte und lässt sich bei Temperaturen zwischen 22 bis 28° C halten, wobei das Wasser sehr sauerstoffreich sein sollte und es sollte nicht zu hart sein.


Der Tatia perugiae ist ein sehr friedlicher Wels und deshalb sehr gut mit allen möglichen Fischen zu vergesellschaften. Ich habe die Jungtiere mit Lebendgebärenden zusammen gehalten, auch mit Bärblingen und anderen Welsen.


Die Geschlechter der Tiere kann man sehr gut unterscheiden, die Männchen haben ein Begattungsorgan und die Weibchen nur eine normale Flosse. Das Besondere bei den Welsen ist, das die Befruchtung der Eier im Körper des Weibchens stattfindet und nicht, wie sonst bei Welsen üblich, nach dem ablaichen.


Die Weibchen legen bis zu 60 Eier, die mit einem Durchmesser von etwa zwei Millimetern ziemlich groß sind. Der sich entwickelnde Embryo ist von einer starken Schleimschicht umgeben.


Das Weibchen betreut die Eier, da ihre Brustflossen nicht wie bei anderen Welsen dazu geeignet sind, dem Laich Wasser zuzufächeln, entwickelt das Weibchen eine starke Atemfrequenz. Die Jungen schlüpfen schon nach drei bis vier Tagen, nach knapp zwei Wochen ist ihr sehr großer Dottersack aufgebraucht.


Ganz wichtig ist noch zu sagen, dass ich bei meinen ersten Jungtieren einen großen Fehler begangen habe. Da die Jungtiere schon nach kurzer Zeit sehr stark oberflächenorientiert sind, habe ich entkapselte Artemia gefüttert, so wie ich es auch in einem Bericht gelesen habe. Da die Jungtiere dieses Futter aber nicht sehr gut verdauen können, habe ich vom ersten Wurf leider nur ein einziges Jungtier durchbekommen. Aber ich bin jetzt um einiges schlauer geworden. Im Aquarienatlas ist der Geschlechtsunterschied und die Zucht als unbekannt beschrieben.


Steckbrief


Name: Zwergtrugdornwels – Tatia perugiae 

Herkunft: Südamerika, Kolumbien

Größe: 5-6 cm

Futter: Allesfresser, Lebendfutter, Frostfutter, Granulat, Tabletten.

Temperatur: 22 bis 28° C

Beckengröße: ab 40 cm Beckenlänge.

Infos: Aquarien Atlas – Band 5 – Seite 238

Eure Livia Lettau